Kommentare Suche Plus Facebook Facebook Youtube Instagram Youtube Instagram Schließen
Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden. Darüber hinaus setzten wir weitere Verfahren ein, um auf pseudonymisierter Basis Nutzeraktivitäten analysieren zu können. Einzelheiten hierzu und zu den Möglichkeiten eine solche Nutzung einzuschränken, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Titelbild des Orthomol Blogs

„Schlaf ist kein überflüssiger Luxus, sondern essenziell für unsere Lebensenergie“, sagt Dr. Michael Feld, Schlafexperte aus Köln. Wir klären im Experteninterview wichtige Fragen rund um die Nachtruhe.

Wieso ist ein erholsamer Schlaf so wichtig?

Dr. Michael Feld:  Rund ein Drittel unseres Lebens verbringen wir schlafend. Wir haben – bei durchschnittlich acht Stunden Schlaf pro Nacht als Erwachsene – in einem Alter von 30 Jahren rechnerisch bereits 11,82 Jahre des Lebens „verschlafen“ [Schlafrechner]. Guter und ausreichender Schlaf ist also nicht überflüssig oder überbewertet, sondern eine wichtige Voraussetzung für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit am Tag.

Was passiert in unserem Körper, während wir schlafen?

Schlaf bietet die Möglichkeit zur Erholung, denn in dieser Zeit laufen verschiedene Regenerationsprozesse ab. Im Schlaf spart unser Körper außerdem Energie. Wenn es dunkel wird, schüttet die Zirbeldrüse unseres Gehirns das „Schlafhormon“ Melatonin aus: Es bereitet unsere Körperfunktionen auf das Schlafen vor. In der Nacht bzw. im Schlaf verringert sich unsere Körpertemperatur um bis zu 1,5°C, Puls und Atmung werden langsamer, auch der Blutdruck sinkt. Dennoch ist unser Körper nachts aktiver als man vielleicht denkt. In dieser Zeit werden u.a. Wachstumsfaktoren freigesetzt: Sie sind an Aufbauprozessen und Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt und tragen beispielsweise zum Knochenwachstum bei. Auch für die Funktion des Immunsystems ist ein erholsamer Schlaf wichtig.

Was empfehlen Sie: Wie viel Schlaf brauchen wir?

Es gibt keine allgemein verbindliche Schlafdauer, die uns eine optimale Leistungsfähigkeit für den nächsten Tag garantiert. Die meisten von uns wissen aus eigener Erfahrung, wie lange sie schlafen müssen, um sich ausgeschlafen und erholt zu fühlen. Sieben bis acht Stunden gelten als geeignete Schlafdauer für Erwachsene, aber das Schlafbedürfnis kann individuell sehr unterschiedlich sein. Lebensalter und Schlaftyp beeinflussen unsere natürliche, individuelle Schlafdauer. Aber auch die Anforderungen unserer modernen Leistungsgesellschaft haben die nächtlichen Ruhezeiten verändert. Laut Experten bekommen die Menschen in vielen westlichen Ländern im Durchschnitt weniger Schlaf als früher.

Was ist der „REM-Schlaf“?

Schlafforschung und -medizin unterscheiden verschiedene Stadien des gesunden Schlafs: Wachzustand, Non-REM-Schlaf (Leichtschlaf und Tiefschlaf ) sowie REM-Schlaf (Traumschlaf ). REM ist die Abkürzung für Rapid Eye Movement und heißt übersetzt „schnelle Augenbewegungen“.

Das heißt, wir durchleben verschiedene „Stadien“, während wir schlafen?

Ja, genau. Man kann es sich bildlich vorstellen: Während wir einschlafen, steigen wir eine Treppe vom Wachzustand in den Tiefschlaf hinab. Im ruhigen Wachzustand ist unser Gehirn noch relativ aktiv. Unsere Augen bewegen sich und die Muskulatur ist gespannt. Innerhalb von rund 30 Minuten führt uns die Treppe in den Leichtschlaf (Non-REM-Schlaf, Stadium 1). Unsere Gehirnaktivität wird geringer und die Muskelspannung lässt nach. Wir steigen quasi die Treppenstufen weiter hinab und erreichen die Non-REM- Schlafstadien 2 und 3. Das Stadium 3 wird auch als Tiefschlaf bezeichnet. Jetzt sind unsere Körperfunktionen so ruhig gestellt, dass „man uns wegtragen könnte“. Von hier aus steigen wir dann wieder hinauf in den REM-Schlaf, der als Traumschlaf bezeichnet wird, obwohl wir auch in anderen Phasen träumen können. In den Traumphasen arbeitet unser Gehirn auf Hochtouren, die Muskulatur ist jedoch relativ entspannt.

Nach der Leichtschlaf- und der Tiefschlafphase folgt üblicherweise der REM-Schlaf. Die zeitliche Abfolge dieser Schlafstadien wird als Schlafzyklus bezeichnet, dieser dauert etwa 90 Minuten. Pro Nacht „durchschlafen“ wir etwa vier bis fünf solcher Zyklen. In den ersten Zyklen der Nacht schlafen wir wirklich tief, dann wird unser Schlaf leichter und die REM-Phasen werden länger. In der Tiefschlafphase lassen sich Schläfer nur schwer aufwecken. Dagegen ist es nicht ungewöhnlich im Leichtschlaf kurz von selbst aufzuwachen – meist ohne sich morgens daran zu erinnern. Der Leichtschlaf macht ungefähr die Hälfte unseres Schlafs aus und nimmt gegen Morgen zu. Dann werden auch die REM-Phasen, die ungefähr 20 bis 25 Prozent der Schlafzeit eines  Erwachsenen ausmachen, intensiver.

Haben Sie noch einen Tipp, wie es mit dem Einschlafen klappt?

Zur Einstimmung auf die Schlafenszeit sind immer wiederkehrende Rituale sinnvoll. Ein solches Schlafritual könnte beispielsweise sein: einen Kräutertee oder ein wohltuendes Heißgetränk genießen oder den Tag mit ruhiger Musik ausklingen lassen. Wenn Sie regelmäßig zur gleichen Zeit ins Bett gehen und morgens immer zur gleichen Zeit aufstehen, hilft es Ihnen, einen Schlafrythmus zu finden. Damit Ihre innere Uhr nicht aus dem Takt kommt, sollten Sie auch am Wochenende und im Urlaub nicht länger liegen bleiben und tagsüber auf ein Nickerchen verzichten.

Über den Experten

Experte Feld Michael2 freiDr. med. Michael Feld seit 2009 mit Praxis für ganzheitliche Allgemein- und Schlafmedizin privatärztlich niedergelassen in Köln. Daneben ist er gefragter Experte für TV- und Printmedien zum Thema Schlaf.

0 Kommentar

Kommentar schreiben

Ihr Kommentar ist für die anderen erst nach Freigabe sichtbar

Gesundheit im Blick / 09.09.2019

Jeder kennt das: Kaum wacht man auf, fühlt man sich wie gerädert und kommt nicht aus dem Bett. Müdigkeit und Unkonzentriertheit sind dann oft lästige Begleiter am „Tag danach“. Nur wer tief und gut schläft, fühlt sich den Anforderungen des Tages gewachsen und kann erholt starten.