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Frau Drechsler, Sie haben in diesem Sommer bei der Leichtathletik-EM in Berlin als Kampfrichterin an der Weitsprunggrube mitgewirkt. Was hat Sie dazu bewogen?

Die Entscheidung kam von mir persönlich. Ich wollte meine Erfahrung einbringen und habe aus diesem Grund mit Frank Kowalski (Geschäftsführer der Organisations-GmbH der EM 2018 in Berlin, die Red.) gesprochen. Ich wollte gerne Kampfrichterin werden und habe dafür auch einen Schein gemacht. Das haben die Organisatoren unterstützt und die Idee begrüßt. Für mich war das im Übrigen auch nicht nur ein Einmal-Gag, damit ich bei der EM dabei sein konnte. Ich möchte mich in Zukunft in Berlin für die Leichtathletik nützlich machen, um an der Basis mitzuhelfen. Ich glaube, dies ist enorm wichtig. Die Leichtathletik kann es gebrauchen, dass ehemalige Spitzensportler sich einbringen.

Sie könnten der Leichtathletik sicherlich an vielen Stellen helfen, ob als Repräsentantin, oder auch in der Organisation und vielem mehr. Als ein Aushängeschild des deutschen Sports sozusagen.

Sicherlich, aber mir war es wichtig, aktiv dabei zu sein, nicht nur zuzusehen oder zu repräsentieren. Und es war auch wirklich spannend. Wir waren als Team unterwegs, ich habe dadurch sehr liebenswerte, nette Menschen kennengelernt. Diese Gemeinschaft und das Einstudieren der Abläufe waren für mich hochspannende Erfahrungen. Es ist interessant, zu erleben, wie das Ganze von der anderen Seite aus gesehen funktioniert. Es war eine Herausforderung und hat einen Riesenspaß gemacht.

Und als Trainerin – sehen Sie sich da in Zukunft?

Ich wurde dies schon des Öfteren gefragt und bekanntlich sollte man niemals nie sagen. Ich habe da schon Vorstellungen, eventuell mit Kindern zu trainieren und mich in irgendeiner Form auch noch mehr zu engagieren. Ich denke, an der Basis benötigen wir gute Leute und ich könnte bestimmt eine Hilfe sein. Mal sehen, was in Zukunft noch alles entstehen kann.

An der Weitsprunggrube selbst wurde es während der EM auch spannend, da es messtechnische Fehler gab. Haben Sie diese Fehler direkt mit bloßem Auge erkennen können? Sie standen ja unmittelbar daneben.

Wir haben direkt gesehen, dass bei dem ein oder anderen Sprung etwas nicht stimmen kann. Es gab ein systembedingtes Problem, für das die Kampfrichter allerdings keinerlei Schuld trifft. In der Folge wurde es unruhig an der Grube. Die Athleten legten Protest ein, so etwas ist natürlich kein schöner Moment. Eigentlich hätte in der Situation ein Bandmaß geholfen, damit hätten wir die Weiten schneller nachmessen können. Das ist jedoch der Gang der Dinge. Für den TV-Zuschauer sind die digitalen Messsysteme eine optische Hilfe. Am TV-Schirm ist für jedermann sofort ersichtlich, ob eine neue Bestweite gesprungen wurde. Wenn so ein System ausfällt, sollte man jedoch als Plan-B auf die alte Technik zurückgreifen können. Als Kampfrichterin leidet man in solchen Momenten auf jeden Fall mit.

Nun sind Sie als Kampfrichterin zur Neutralität verpflichtet. Inwieweit konnten Sie dies beim Weitsprung der Frauen beibehalten, als es für Deutschland um die Goldmedaille ging? Übrigens die erste seit ihren Goldsprünge.

(lacht) Ich habe Malaika Mihambos Karriere genau beobachtet und bekomme auch von den anderen deutschen Athleten noch sehr viel mit. Wie verläuft die Saison, wie sind die Athleten drauf? Und natürlich habe ich Malaika in der Situation die Daumen gedrückt. Sie ist für mich die beständigste deutsche Springerin und hat unter erschwerten Bedingungen ihr Ding durchgezogen. Ich finde es toll, was sie daraus gemacht hat.

Wie war denn das Gefühl für Sie, in dieses Stadion als Kampfrichterin einzulaufen? In ein Stadion, in dem Sie selbst schon Erfolge als Athletin feiern durften.

Gänsehaut pur! Es ist egal, ob als Athletin, oder als Kampfrichterin. Die Kulisse ist überwältigend. Unsere Kampfrichter im Team waren ganz begeistert, dass wir als Gruppe beim Ein- und Ausmarsch Applaus bekommen haben. Das war fast wie früher zu Wettkampfzeiten. Der Unterschied war für mich der, dass es sich lockerer anfühlte und ich es mehr genießen konnte. Als Athlet bekommt man die Stimmung zwar auch mit, aber man ist in einem Tunnel. Grundsätzlich konnte man den Menschen anmerken, dass sie die Atmosphäre lieben. Das Stadion war die ganze Woche über gut besucht, es war perfekt für die Athleten. Das gesamte Event war ein sehr gelungenes Familiensportfest mit einer tollen Organisation.

Ihnen persönlich, das konnte man im TV verfolgen, ist von Athletenseite auch viel Respekt entgegengebracht worden. Immer wieder sind Athleten nach ihren Sprüngen zu Ihnen gekommen und haben Sie angesprochen. Das muss doch aus sehr angenehm gewesen sein, so viel Anerkennung zu spüren, oder?

Das war ein sehr schönes Gefühl, ganz sicher. Dass man bei den jungen Leuten noch so im Kopf ist, toll. Ich kenne auch viele der Trainer aus alten Wettkampfzeiten, als man noch zusammen im Trainingslager war. Das fühlt sich an wie eine große Familie.

Was war denn Ihr persönliches sportliches Highlight dieser Leichtathletik-EM?

Das Speerwerfen der Männer mit Thomas Röhler fand ich klasse! Dann noch der Goldlauf von Gesa Krause über 3.000 Meter Hindernis, zumal sie in ihrem letzten großen Wettkampf gestürzt war. Und natürlich den Zehnkampf mit einem emotionalen Arthur Abele. Das war eine sensationelle Leistung.

 

Personeninfo

Name: Heike Drechsler

Wohnort: Berlin

Alter: 52

Heike Drechsler war eine der erfolgreichsten deutschen Sportlerinnen in den Disziplinen: 100 Meter, 200 Meter und Siebenkampf. Sie gewann bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften insgesamt 19 Gold-, sechs Silber und fünf Bronzemedaillen. Noch heute hält sie die deutschen Rekorde im Weitsprung und über die 200 Meter.

Ralf Kerkeling (47) ist freiberuflicher Sport-Journalist und Buchautor. Während einer mehrjährigen Tätigkeit beim TV entdeckte er das Schreiben für sich und wechselte schließlich die berufliche Richtung. Er schreibt für diverse Sportmagazine. Mit den Büchern „Running Wild“ und „Passion Laufen“ konnte er sich als Autor erfolgreich ausprobieren. Er ist zudem Mitbetreiber des Sport- und Reiseblogs Hasumsi – Writers Runway.

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