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Kellerkind Kartoffel,

Du Inbegriff urdeutschen Essens bist uns seit Kindertagen ein treuer Begleiter. Deine Entdeckung begann vielleicht mit fein zerdrücktem Kartoffelbrei, den uns jemand in den Mund schob. Später begleiteten uns Omas Salz- und Mamas Bratkartoffeln durch den Alltag, am Wochenende freuten wir uns auf Pommes frites im Freibad oder Chips vor dem Fernseher, an Feiertagen stachst Du als Herzoginkartoffeln oder Kroketten den Festtagsbraten aus. Du bist die Basis so vieler Lieblingsgerichte – von Reibekuchen bis Schupfnudeln, von Gnocchi bis Knödel. Gerade jetzt wärmst Du uns als cremige Suppe. Kaum zu glauben, dass die Deutschen Dich zuerst als Zierpflanze importierten und als Rarität in die botanischen Gärten bestaunten.

Einer Deiner größten Förderer dürfte Friederich der Zweite gewesen sein: Ab 1746 nötigte er seine Beamten per Kartoffelbefehl dazu, den Anbau der neuen Gewächse aus Südamerika als Nahrungsmittel voran zu treiben. Die Pastoren ließ  er als „Knollenprediger“ Deine Vorzüge  von der Kanzel preisen. Damals sollte der „Erdapfel“ vor Hungersnöten schützen. Heute schätzen wir eher Deine gesunde Mischung aus komplexen Kohlenhydraten, wertvollem Eiweiß, Ballast- und Mikronährstoffen. Solange wir Dich nicht bei der Zubereitung in Öl baden, bist Du nahezu fettfrei und kalorienarm, dafür reich an Kalium, B-Vitaminen und Vitamin C

Du bist der Beweis, dass innere Werte, Vielseitigkeit und Geschmack keine äußere Schönheit brauchen, um weltweit erfolgreich zu sein.  Deiner bräunlich-fleckigen, oft schmutzverkrusteten Schale mag der Glamour fehlen – aber wir identifizieren uns mit Deiner bodenständigen, handfesten Art und ehren Dich hiermit als Liebling des Monats Januar.

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