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Auferstandene Pastinake,

mehr als 150 Jahre nach Deiner letzten großen Rolle auf unseren Esstischen feierst Du seit einigen Jahren Dein Comeback auf der kulinarischen Bühne. Dabei warst Du Dir auch für die ganz kleinen Engagements nicht zu schade: Im Babybrei konntest Du Dich einem breiten Publikum präsentieren und dabei Deine besonderen Talente ausspielen: Dein milder, leicht süßer Geschmack wird auch von empfindsamen Gaumen akzeptiert, Deine Widerstandsfähigkeit erlaubt einen giftfreien Bioanbau und Dein Verzicht auf die Anreicherung von Nitrat schont den empfindlichen Stoffwechsel der jüngsten Feinschmecker.

Einst warst Du ein Hauptnahrungsmittel in unseren Breiten. Schon im römischen Reich hast Du unseren Vorfahren Kraft für ihren anstrengenden Alltag geschenkt, später warst Du, stärkehaltig und sättigend, sozusagen die Kartoffel des Mittelalters, bis letztere Dich Mitte des 18. Jahrhunderts zuerst aus unseren Kochtöpfen  und später gar aus der Erinnerung verdrängte. Erst als sich die Trendsetter in Sachen Ernährung wieder auf die Suche nach dem Alten und Ursprünglichen machten,  fanden sie in Dir ein aromatisches Wintergemüse aus regionalem Anbau. Auch wenn sich Deine Territorialgewinne auf heimischen Äckern noch in Grenzen halten, bist Du doch in die Zutatenlisten der Rezepthefte und die Auslagen der Gemüsetheke zurückgekehrt. Dort wird dich der ein oder andere vielleicht mit einer Petersilienwurzel verwechseln. Das ist keine Schande, denn Du giltst Botanikern als Kreuzung zwischen Petersilie und Möhre – die Ähnlichkeit ist also nicht nur eingebildet.

Wir suchen die kleinen, feinen Exemplare Deiner Artgenossen aus der Gemüsekiste und pürieren sie zu Suppe  – dabei lässt Du Dich flexibel mit ganz verschiedenen Aromen kombinieren und lieferst neben geschmacksgebenden ätherische Ölen vor allem Vitamin C, verschiedene B-Vitamine und Kalium. Wem das zu viel ökologisch-korrekte Gesundheit ist, darf Dich auch zu Chips oder Pommes frittieren – Dein süßlich- nussiger Geschmack bleibt in der knusprigen Knabberei erhalten. Überhaupt ist alles erlaubt, was auch Kartoffeln oder Möhren veredeln würde: Pastinakengratin, karamellisierte oder gebackene Pastinaken – Du bist vielseitig und trotzdem unverwechselbar. Im Oktober werden wir Deine neue Ernte einkaufen und den größeren Kindern daraus im Vertrauen auf ihre Neugierde ein leckeres „Ritter-“ oder „Römeressen“ kochen. Vielleicht erinnern sich ihre Geschmacksknospen an lange vergessene Babybreizeiten, wie wir an eine altgediente Gemüsesorte.

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