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Außenstehende würden beim Anblick von Menschen in hautengen Anzügen, eingeschnürt in eine Weste, aus der Kabel herausführen, dabei seltsame Übungen durchführen, sehr wahrscheinlich lauthals anfangen zu lachen. Zudem sehen die ausgeführten Bewegungen nicht besonders anstrengend aus. Dies zaubert das nächste Fragezeichen auf die Stirn des Betrachters: Warum um alles in der Welt sieht der SWAT-Typ im Ballettanzug eigentlich so angestrengt aus, wie kann bei dieser Art der Nichtbewegung überhaupt ein Tropfen Schweiß fließen? Weit gefehlt, meine Damen und Herren, willkommen in der Welt der elektrischen Muskelstimulation, kurz: EMS. 

Was genau ist EMS? 

Die Form des Trainings stammt ursprünglich aus dem Reha-Sport. Dort eingesetzt, hilft es, Menschen mit einer eingeschränkten Bewegung bei der Unterstützung des Kraftaufbaus. Über elektrische Impulse werden bei dieser Form des Trainings Muskeln stimuliert. Dies wird normalerweise über das Gehirn gesteuert. Von dort wird auch bei einem „normalen Fitnesstraining“ ein elektrisches Signal an die Muskeln geschickt, die wiederum über die Nerven das Signal bekommen, sich zusammenzuziehen. Während des EMS-Trainings werden nun Elektroden von außen auf die Haut bzw. eine hautenge Funktionswäsche gebracht. Zusätzlich wird der Sportler in eine Weste eingeschnürt, die zuvor mit Wasser eingesprüht wurde, so dass der Strom besser an die Muskeln geleitet werden kann. Sämtliche Elektroden sind mit einer Art Steuerungseinheit verbunden, über die die Stromzufuhr während es Trainingsbetriebs gesteuert werden kann. Das hört sich aufwendig und etwas „spacig“ an,  ist es im ersten Moment auch. 

Die enge Weste lässt einem kaum Luft zum Atmen. Doch dies ist zunächst das geringere Problem. Sobald Strom auf die mit den Elektroden verbundenen Körperteile geleitet wird (Oberarme, Po, Rücken hinten, Seite, Brust, Bauch und Oberschenkel), beginnt es zunächst zu kribbeln, bei zunehmendem Strom zu drücken. Die Muskeln kontrahieren, ohne dass man dies steuern kann – befremdlich. Personal Trainer Jens Vatter, Inhaber der PT Lounge in Köln, gibt entscheidende Tipps. Man sollte immer eine leichte Spannung im gesamten Körper aufbauen, um für den Stromimpuls gewappnet zu sein. Vatter lässt in der Folge langsam immer mehr Strom auf meinem Körper los. „Die Intensität kann individuell geregelt werden, so dass Pomuskulatur und Oberarme durchaus verschieden starke Impulse empfangen können“, erklärt der Personal Trainer. Nach dem Einjustieren geht es direkt an die ersten Übungen. Während des Impulses führe ich nun unter Anleitung verschiedene Bewegungen durch. Diese reichen von Balance- und Stabilitäts- bis hin zu leichten Kraftübungen. Strom an, Strom aus, an den Rhythmus gewöhnt man sich und schließlich auch an die neue Form des Trainings. Apropos Gleichgewicht, dieses zu halten ist ungleich schwerer beim Trainieren „unter Strom“. Der Körper kämpft ständig gegen ein mögliches Umkippen, der Trainer unterstützt und korrigiert sofort bei einer falschen Bewegung. Durch die künstlich herbeigeführten Kontraktionen werden die Muskeln für mich nicht mehr hundertprozentig kontrollierbar. Ein kleiner Schnipser würde sehr wahrscheinlich reichen, um mich seitlich umkippen zu lassen. Der Trainer macht die Übungen vor, ich versuche, es ihm gleichzutun, zunächst mit mäßigem Erfolg. Nach und nach beginnt das Ganze Spaß zu machen, auch wenn sich an der bewegungstechnischen Unbedarftheit wenig ändert. Man kämpfe quasi gegen seine eigene Muskulatur, ergänzt Vatter in einem Gespräch nach dem Training. Das Besondere am EMS-Training ist, dass es sich nicht um eine passive, sondern um eine aktive Trainingsform handelt. Willentliche Kontraktion wird mit elektrischen Impulsen zusammengebracht. So erreicht man mehr als mit einer Methode alleine.

Für wen ist EMS Training geeignet? 

Mit EMS kann zwar auch ein wenig die Ausdauer trainiert werden, aber beispielsweise eine Laufeinheit ersetzt das Training nicht. Wohl aber könne das Ganzkörpertraining eine Krafteinheit ersetzen, betont Vatter. „Die meisten meiner Kunden sind Freizeitsportler“, sagt er. Vor allem bei Läufern sei es so, dass diese sich selten zum Krafttraining überwinden können. Hier eigne sich EMS auch aufgrund seiner kurzen Trainingszeit. EMS kann den Weg zurück zu mehr Sport und einer gesünderen Lebensweise bieten. Es dient der Stabilisierung des Körpers, der Verfeinerung des Muskelapparates und einer definierteren „Außenhülle“ des Sportlers.

Der EMS-Boom selbst lässt sich auch mit dem enormen Zeitbonus erklären. 15 bis 20 Minuten hochintensives Krafttraining lassen sich bequem vor der Arbeit oder in der Mittagspause einbauen. Zeitsparend wirke unter anderem auch, dass man den gesamten Körper auf einmal trainiere, nicht nacheinander wie im klassischen Krafttraining, erklärt Personal Coach Vatter.   

Fazit 

Die nicht ganz günstige Variante des Krafttrainings (Kosten zwischen 20 und 25 Euro pro Stunde) macht enorm Spaß. Defizite im Bereich des Gleichgewichtes und einer eventuellen Dysbalance des Körpers können gezielt angegangen und verbessert werden. Durch die gute Coachingsituation (maximal 2 zu 1) ist eine optimale Kontrolle und Regulierung von Fehlstellungen gewährleistet. Alles in allem eine lohnende Investition! 

Häufige Fragen zu EMS 

  • Ist EMS-Training gefährlich?
    Nein, nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen bestehen unter normalen gesundheitlichen Voraussetzungen keine Einschränkungen oder Gefährdungen.
  • Wie oft darf man das Training in der Woche ausführen? 
    Höchstens ein bis zwei Mal. 
  • Wie lange dauert eine Einheit? 
    Ungefähr 20 Minuten. 
  • Wann sehe ich erste Erfolge? 
    Nach ca. vier bis sechs Wochen.

 
Mehr über unseren Gastautor erfahren Sie ein der Bildergalerie.
 


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