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Patrick, zunächst noch einmal herzlichen Glückwunsch zum Sieg beim Ironman auf Hawaii. Mittlerweile sind ein paar Tage seit deinem großen Triumph vergangen. Ist das, was da passiert ist, bei dir schon angekommen?

Noch nicht so endgültig. Ich bin immer noch dabei das zu verarbeiten. Das fällt halt schwer bei dem ganzen Stress der drumherum passiert. Das ist alles positiv und jeder Termin ist ja auch schön, dadurch kommt man aber natürlich sehr langsam zum verarbeiten.

Das heißt, du hast noch keinen Moment gehabt, wo du dich bewusst zurückziehen konntest?

Doch, ich war jetzt mal eine Woche im Urlaub. Ich war in einem kleinen Dorf in Schweden. Das hat aber bei weitem nicht gereicht, denn die Eindrücke aus Hawaii, damit könnte ich ganze Bücher füllen. Das verarbeitet man nicht in einer Woche, dafür braucht man wahrscheinlich ein halbes Jahr.

Kannst du für uns noch einmal die letzten Sekunden des Wettkampfes und den Zieleinlauf beschreiben? Realisiert man da, was gerade passiert?

Da ging ein Lebenstraum in Erfüllung und ich hab das schon alles wahrgenommen. Es ist einfach nur krass, was dann passiert. Ich habe das mal als Gefühlscocktail beschrieben, wo wirklich alle Emotionen enthalten sind. Hinzukam, dass ich über acht Stunden meine Emotionen zurückhalten muss, für mich bin, versuche alles auszublenden. Und dann kann man alles loslassen. Dann platzt es aus einem heraus.

Trainierst du die gerade angesprochene Fokussiertheit?

Nein, ich glaube das kann man nicht trainieren.

Wann hast du im Rennen deine Chance gewittert?

Je länger der Marathon fortschritt und die Zeiten, die mir zugerufen wurden. Gerade gegen Ende wurde der Abstand ja immer geringer und da wusste ich jetzt schlägt meine Stunde. Und das pusht natürlich auch.

In dem Moment muss man wahrscheinlich auch darauf achten, dass man nicht überpaced, oder?

Man muss schon sehen, dass man nicht noch mehr aufdreht und bei seiner Renntaktik bleiben.
Das ist mir an dem Tag ausgesprochen gut gelungen. Das war kein Tag für Experimente.

Sehr überzeugend und beeindruckend ist auch dein Laufstil. Brust raus, stabiler Oberkörper …

Da arbeiten wir tatsächlich seit mehreren Jahren dran. Ich habe einen speziellen Lauftechniktrainer, mit dem ich an den Details arbeite. Für jemand der leistungsorientiert denkt, der sollte auch an den Schrauben drehen.

Nun hast du mit 2:39:45 Stunden eine tolle Marathon-Bestzeit. Hast du schon einmal darüber nachgedacht, nur Marathon zu laufen?

(lacht) Nein, auf gar keinen Fall. Da sind ja auch völlig verschiedene Paar Schuhe. Ich könnte wahrscheinlich so um die 2:20 Stunden laufen. Da ist aber immer noch weit weg von den Besten. Mein Spiel geht erst los, wenn die Rennstunde Sieben geschlagen hat. Da würde man ja beim Marathon nicht hinkommen.

Jetzt hast du mit 8:01:39 Stunden einen neuen Streckenrekord in Kona aufgestellt. Peilst du nächstes Jahr eine Zeit unter acht Stunden an?

Wenn es passieren sollte, dann ist das schön, aber es gehört soviel mehr dazu. Ich bin jetzt erstmal happy, dass ich überhaupt den Streckenrekord aufstellen konnte. Die Bedingungen waren ja auch alles andere als leicht. Aber, wer weiß. Wenn die Bedingungen gut sind, dann ist es definitiv möglich unter acht Stunden zu bleiben. Für mich ist jedoch die Platzierung wichtiger.

Das heißt, du möchtest nächstes Jahr den Titel verteidigen?

Ja, die Titelverteidigung steht im Fokus und wenn ich den Titel dann mit 08:40 Stunden verteidige, dann ist mir das auch recht. Ich werde nicht, wie Keke Rosberg, den ich sehr mag, sagen: „Okay, I’m out.“ Für mich geht es jetzt erst richtig los. Es war ja auch erst mein vierter Ironman …

Du hast sehr früh, etwa im Alter von 15, mit Triathlon angefangen. Was für einen Tipp würdest du jungen Athleten, die dich eventuell sogar als Vorbild sehen, und Triathlon-Interessierten mit auf den Weg geben? Wie würdest du den Reiz deiner Sportart beschreiben?

Es gibt so viele Reize. Die Vielseitigkeit ist das, was uns auszeichnet. Es wird eigentlich nie langweilig im Alltag, man hat immer etwas zu tun. Wenn ich jetzt nur Radfahrer wäre, dann würde ich in kalten Jahreszeiten, wie jetzt, wahrscheinlich die Flucht antreten. (lacht)
Es ist aber auch eine gute Grundausbildung als Sportler generell. Es gibt in meinen Augen nichts besseres als Triathlon zu machen. Ich möchte aber auch daran appellieren, dass man bei der Lockerheit bleiben sollte. Ich merke immer wieder, dass sich gerade Hobbysportler immer wieder in Ziele und Wünsche verrennen, die sie nicht erfüllen können. Dabei wird der Kern der Sportart vergessen und das ist Spaß an der Bewegung, Spaß daran haben draußen zu sein.

Dank dir, Patrick!

Info: Beim Ironman müssen die Sportler einen Langdistanz-Triathlon absolvieren. Dies bedeutet in Zahlen: 3,86 km (2,4 Meilen) Schwimmen, 180,2 km (112 Meilen) Radfahren und 42,195 km (26,2 Meilen) Laufen.

Zur Person:

Name: Patrick Lange
Alter: 31

Größte sportliche Erfolge:
2017 Sieger Ironman World Championships
2017 Sieger Ironman 70.3

 

Ralf Kerkeling (46) ist freiberuflicher Sport-Journalist und Buchautor. Während einer mehrjährigen Tätigkeit beim TV entdeckte er das Schreiben für sich und wechselte schließlich die berufliche Richtung. Er schreibt für diverse Sportmagazine. Mit den Büchern „Running Wild“ und „Passion Laufen“ konnte er sich als Autor erfolgreich ausprobieren.

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